Aus der Geschichte der Schule in Heiligkreuz in der Rotbachstraße
Vorgeschichte des Baus der Heiligkreuzer Schule in der Rotbachstraße
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte ein deutliches Wachstum der Bevölkerung in der Stadt Trier ein. Zählte man 1900 insgesamt 43 506 Einwohner in Trier, so stieg diese Zahl bis 1913 auf 57 649 an. Mit der Anbindung der Stadt an das Eisenbahnnetz lag Trier nicht mehr abseits, sondern war an die Verkehrsverbindungen innerhalb des Deutschen Reiches angeschlossen. Das eigentliche Stadtgebiet von Trier umfasste eine Fläche von 884 ha Land und hatte somit kaum Möglichkeiten größere Betriebe anzusiedeln. Man brauchte also Ausdehnungsflächen im Umland, wollte man die wirtschaftliche Entwicklung voran treiben. Die Trierer Vororte umschlossen das Stadtgebiet, gehörten aber nicht zu Trier, sondern zum Kreis Trier-Land. Einer dieser Vororte war Heiligkreuz.
1888 waren bereits einige Vororte ins Stadtgebiet eingegliedert worden. Um 1900 gab es Überlegungen weiterer Eingemeindung der Vororte Kürenz, Heiligkreuz, St. Matthias und Pallien. Die Vororte waren durchaus an einer Eingliederung ins Stadtgebiet interessiert, denn man sah die Vorteile, die mit der Verbesserung der städtischen Infrastruktur einher gingen. Man wünschte sich, wie in der Stadt, ausgebaute Straßen, Kanalisation, Anschluss an Gas und Elektrizität. Die Eingemeindung wurde aber 1903 von der Stadtverordnetenversammlung abgelehnt. Die Begründung war, dass der Anschluss für die Stadt zu einer enormen Kostenexplosion führen würde.
Drei Jahre später sah man den Fehler ein. Dass das Umland der Stadt für die Ansiedlung von Industriebetrieben für die Stadtentwicklung von größtem Nutzen sein könnte, erkannte man beispielsweise am Vorort Heiligkreuz. Neben Bauern und Winzern lebten hier Handwerker, Tagelöhner und Arbeiter, die in industriellen und handwerklichen Betrieben tätig waren, beispielsweise in der Caspary-Brauerei (ab 1873), in den Gerbereien und Ziegeleien sowie der Zigarettenfabrik Neuerburg (ab 1873). Das Stadtgebiet konnte durch die Eingemeindung der erwähnten Vororte auf das Dreifache erweitert werden.
1906 aber war seitens der Vorortgemeinden das Interesse nicht mehr dasselbe. Dass die Eingemeindung Vorteile durch den Anschluss an die städtische Infrastruktur bringen würde, war inzwischen den meisten Bewohnern des Umlands klar geworden. Aber man fürchtete zusätzliche Kosten und Steuern, die auf die Bewohner zukommen würden. Zudem war das Selbstvertrauen der Bewohner des Umlandes gewachsen und es kam zu zähen Verhandlungen mit der Stadt, wobei sich die Heiligkreuzer besonders heftig gegen die Bedingungen der Eingemeindung stemmten und besondere Konditionen aushandelten. Man einigte sich schließlich am 22.11.1910, was zur Eingliederung der Vororte Heiligkreuz, St. Matthias-Medard-Feyen und Pallien am 1. April 1912 führte. Das Stadtgebiet vergrößerte sich hierdurch auf 2 841 Hektar, die Bevölkerungszahl wuchs um 5 800 auf 55 756 Einwohner.
Der Vorort Heiligkreuz hatte im Jahre 1908 eine Einwohnerzahl von 864 Personen, davon 218 Schulkinder. Der Stadtteil galt als arm, woran sich nach der Eingemeindung nichts änderte, wie die Anträge auf Zuschuss bei der Besoldung eines zusätzlichen Lehrers erkennen lassen. Im Protokoll der Sitzung des Gesamtschulverbandes vom 04.02.1910 heißt es:
„Die Verhältnisse des Schulverbandes sind wohl die traurigsten des Kreises und lassen bei der ungünstigen Konjunktur im wirtschaftlichen Leben und den großen stets wachsenden Armenlasten der Gemeinden eine nennenswerte Beihilfe aus Staatsfonds zu den Schulhausneubaukosten Heiligkreuz unbedingt notwendig erscheinen.”
Die Vororte St. Matthias, St. Medard, Feyen und Heiligkreuz bildeten einen Schulverband. Alle Kinder besuchten die zentrale Schule in St. Matthias. Im Jahre 1900 gingen dort ungefähr 600 Kinder - davon 150 aus Heiligkreuz - zur Schule. Im Jahre 1909 hätten 889 Kinder die Mattheiser Schule besucht. Den Gesuchen aus dem Jahre 1900, „besondere Schulen” in den Vororten zu errichten, stand man seitens der Königlich Preußischen Regierung zuerst recht reserviert gegenüber. Man begründete dies mit der ungeklärten Frage der Eingemeindung. Schulrat Dr. Flügel stellte jedoch bereits 1901 fest, dass „die Ueberfülle der Schule in St. Matthias eine baldige Abhülfe erheischt.“
40 bis 45 Minuten war der Vorort Feyen entfernt, weshalb man dem Schulbau für 138 Kinder in Feyen den Vorzug gab. Dies ließ die Heiligkreuzer aktiv werden und führte dazu, ein früher abgelehntes Baugesuch wieder vorzulegen. Man war nun erfolgreich. Was Feyen zugestanden wurde, beanspruchten die Heiligkreuzer auch für sich. Zumal war die Anzahl der Schulkinder inzwischen auf 218 im Jahr 1908 angestiegen. Sie besuchten die Schule in St. Matthias und die Kinder hatten somit einen langen Schulweg zurückzulegen, der etwa 20 bis 25 Minuten betrug. Die Begründung für den Schulbau war somit nachvollziehbar.
Die Amtsverwaltung Trier-Land fasste daraufhin im Jahr 1908 den Beschluss, auch in Heiligkreuz ein Schulhaus zu bauen. Der Auftrag wurde an den Baumeister Rossman vergeben. Der Bau war aufwändig und kostete 48.000 Mark, wobei die ursprünglichen Baukosten sogar um 3.000 Mark überschritten wurden. Ein Vorort wie Heiligkreuz konnte eigentlich einen solch teuren Bau nicht finanzieren, aber die Entscheidungsträger dachten wohl an die anstehende Eingemeindung in die Stadt Trier und so sparte man nicht bei der Planung des Schulbaus, in der Absicht, die Schulden später auf die Stadt zu übertragen.
Überblick über die Geschichte der Schule in Heiligkreuz
Wichtige Stufen der über 110-jährigen Geschichte der Schule sind in einer Inschrift über dem heutigen Haupteingang des Gebäudes festgehalten.
Schule Heiligkreuz
erbaut als Dorfschule 1909
im Jahre 1936 erweitert für
die Kinder aus dem abgebrochenen
Fischervorort Alt St. Barbara
vollendet im Jahre 1958.
1909 wurde die Dorfschule für die Kinder des Vororts Heiligkreuz gebaut. Das Gebäude steht parallel zur Rotbachstraße (Nordflügel).
1936 wurde der erste Erweiterungsbau (Westflügel) notwendig. Ausgelöst durch den Bau des Moseldamms wurde ein Teil der Häuser von St. Barbara abgerissen und die „Barbelser“ erhielten für ihre abgerissenen Häuser in der Franz-Buß-Straße und Rotbachstraße Ersatz in Heiligkreuz. Für die Kinder der häufig kinderreichen Familien brauchte man entsprechend weitere Schulräume. Nach dem 2. Weltkrieg fanden Vertriebene aus den Ostgebieten eine neue Heimat in Heiligkreuz. Die Schule war wieder zu klein.
1958 wurde daher der zweite Erweiterungsbau (Süd) im hinteren Teil des Schulgeländes fertiggestellt. Hier entstanden nun weitere acht Unterrichtsräume.
Weitere Etappen:
1989 Als die Schülerzahlen später wieder sanken, konnte der Kinderhort Heiligkreuz im ursprünglichen Schulgebäude eingerichtet werden.
2001 Nach provisorischen Pavillionbauten hinter der Schule wurde eine Gymnastikhalle hinter der Schule errichtet, die nicht nur für den Sportunterricht genutzt wird, sondern auch für Betreuungsmaßnahmen der Schule und für Stadtteilaktivitäten.
2007 Der neu eingerichtete Spielplatz gehört zum Schulbereich.
Das neue Schulhaus im Jahre 1909
Die Schule auf dem Heiligkreuzer Berg wurde am 7. Juni 1909 eingeweiht. Hierüber berichtet die „Trierische Landeszeitung“ am 8. Juni 1909.
Der Einweihungstag begann am Morgen des 7. Juni mit einem gemeinsamen Gottesdienst in der Kapelle, eine Pfarrkirche gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Pastor Stein von St. Matthias zelebrierte die Hl. Messe als zuständiger Pfarrer. Anschließend begaben sich Ehrengäste und Schulkinder in das neue Schulgebäude.
Bürgermeister Neyses und der Kreisschulinspektor hielten Ansprachen. Kinder trugen Gedichte vor. Die allgemeine Freude mündete in Hochrufe auf den Deutschen Kaiser und die Einweihung wurde beendet durch das Absingen der Nationalhymne. Laut Zeitungsbericht wurde „eines der schönsten Schulhäuser im Regierungsbezirk Trier“ seiner Bestimmung übergeben. Dies ist durchaus nachvollziehbar, denn am und im Gebäude gibt es eine Reihe hübscher dekorativer Elemente. So entdeckt man Säulen mit ausgearbeiteten Kapitellen und gemeißelten Ornamenten an Türen und Fensterstürzen. Ein Schulrelief, dessen Motivwahl wohl vom Neumagener Schulrelief inspiriert wurde, ziert die damalige Vorderfront. Selbst der Hintereingang ist dekorativ gestaltet.
Das ursprüngliche Gebäude der 1909 errichteten Schule steht parallel zur Hauptstraße. Der Haupteingang war von der Rotbachstraße her und ist heute zugemauert. Er lässt sich noch erkennen und befand sich mittig unter dem Schulrelief. Man betrat damals die Schule von der Rotbachstraße her durch den heute zugemauerten Eingang. Drei Stufen führten zur Eingangstür, von zwei schwarzen Marmorsäulen flankiert. Das Treppenhaus ist gefliest. Gleich hinter dem früheren Eingang befindet sich ein Wasserbecken mit einem aus Sandstein gemeißelten Wasserspeier. Im Erdgeschoss und im 1. Stockwerk befanden sich je zwei Klassenräume.
Bereits 1912 reichte der Platz nicht mehr aus und man war gezwungen, eine „Schulbaracke“ auf dem Hof aufzubauen, in der eine fünfte Klasse unterrichtet wurde. Sie hatte etwa die gleiche Größe wie die anderen Schulzimmer hatte. Klassenlehrer in dem Provisorium war Herr Leyendecker. In der Baracke wurde wegen der fehlenden Isolierung sehr über Kälte geklagt. Daraufhin wechselte man im zweiwöchigen Rhythmus die Klassenräume zwischen Haupthaus und Baracke, um so die Nachteile für die Kinder und Lehrkräfte auszugleichen.
Volksschule im Jahr 1913
Wie die damalige Volksschule Heiligkreuz organisiert war, folgt der Darstellung des Kreisarztes Dr. Roller anlässlich einer kreisärztlichen Besichtigung vom 17.12.1913. Das Schulgebäude, ein massives Steingebäude, stand damals ganz frei auf einem großen Platz neben der Kapelle. Es umfasste vier Klassenräume, in denen 248 Kinder von zwei Lehrerinnen und zwei Lehrern unterrichtet wurden. Oberlehrer Thees, Lehrerin Fräulein Zimmer, Fräulein Pies und Lehrer Blau waren ab 1909 tätig.
Die gleichgroßen Klassenräume hatten jeweils eine Länge von 9,50 m, eine Breite von 6,20 m und eine Höhe von 3,50 m. Die Wände waren mit Casein-Farbe oder mit Kalkanstrich gestrichen. Die drei Fenster, die nach Süden blickten, waren groß gehalten, sodass die Klassenräume als ausgesprochen hell bezeichnet wurden und Sonnenschutzvorhänge notwendig machten. Kohlenöfen standen für die kalte Jahreszeit bereit. Eine Reinigungskraft kümmerte sich regelmäßig um die Sauberkeit der Räume und die Pflege der Holzfußböden. Auf dem Schulhof stand die Schulbaracke für die fünfte Klasse. Das Thermometer zeigte am Berichtstag in diesem Raum nur „13 Grad Celsius bei guter Heizung“. Entsprechend „wurde sehr über die Kälte geklagt“.
In jedem Schulzimmer befanden sich „30 bis 34 zweisitzige und vier bis acht einsitzige Bänke moderner Bauart“, nach der Größe der Kinder, „in richtiger Stellung zum Licht zum Katheder“. Erwähnt werden von Dr. Roller „Spucknäpfe“ in den Klassenräume, deren Verwendung der Prävention ansteckender Krankheiten diente.
Der Turn- und Spielplatz neben der Schule (heute Edeka-Markt) war „geräumig und gut befestigt angelegt“.
Die Toiletten waren „zeitgemäß mit Abortgrube“ angelegt und befanden sich im hinteren Teil des Schulhofes. Rechts an der Kirchenseite war die Toilettenanlage für die Mädchen und ganz hinten links für die Jungen. Es handelte sich um einfache Trichtertoiletten ohne Kanalanschluss. Klosettpapier musste man sich aus den Schulzimmern mitnehmen. Die Hände wusch man sich anschließend in der Klasse. In jedem Schulzimmer befanden sich eine Waschschüssel, Seife und Handtuch zum Reinigen der Hände.
Die Klassenstärke belief sich auf 52 bis 64 Kinder. Der allgemeine Ernährungs- und Gesundheitszustand war vor dem 1. Weltkrieg im Jahre 1913 laut Dr. Roller gut. Ebenso wurden die Reinlichkeit der Kinder und der Kleidung gelobt. Ausdrücklich erwähnte der Kreisarzt, dass keine Kinder gewerblich beschäftigt wurden, da „Missstände aus dieser Beschäftigung … nicht erkennbar“ waren. Beobachtungen über Alkoholgenuss der Schulkinder wurden ebenfalls ausgeschlossen. „Schwachbegabte Kinder“ wurden nicht in der Volksschule unterrichtet, denn dafür gab es in der Stadt eine „Hilfsschule“.
Was die Kosten für den Unterhalt der Schule betraf, so standen im Haushaltsplan des Jahres 1909 für Heizung, Beleuchtung und Reinigung ein jährlicher Betrag von 320 Mark zur Verfügung. 200 Mark dienten der laufenden Unterhaltung der Schulgebäude, des Mobiliars, sowie für die Feuerversicherung. Für Lehr- und Lernmittel sowie Schulbedürfnisse für Schulfeste standen 110 Mark zur Verfügung.
Das damalige Gehalt eines Lehrers betrug jährlich 720 Mark, also 60 Mark im Monat. Eine Lehrerin erhielt nur 630 Mark, das waren 52,50 Mark pro Monat. Dazu erhielten die Lehrkräfte Mietentschädigung, Beitrag zur Alterszulagekasse und Ruhegehaltskasse, Witwen- und Waisenkasse von ca. 30 Mark pro Monat. An vielen Schulen gab es Dienstwohnungen für Lehrer oder Schulleiter, nicht so aber in Heiligkreuz. Sollte eine weibliche Lehrkraft sich zur Ehe entschlossen haben, so musste sie aus dem Dienst scheiden. Es gab keine verheiratete Lehrerin.
Die Stadt Trier stellte im Jahre 1914 die Summe von knapp 500 000 Goldmark für alle 18 Volksschulen der Stadt Trier im Haushaltsplan ein.
Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges zogen die Väter ins Feld, die Mütter übernahmen Tätigkeiten der Männer. Für die Betreuung der Kinder wurde in der Schule ein Kinderhort eingerichtet. Die Schüler mussten durch ihre Arbeit zum Familieneinkommen beitragen. Unterricht fand zeitweise in Form von Sammelaktionen statt, bei denen Altpapier, Lumpen, Alteisen, Feldfrüchten und dgl. gesammelt wurde. Mit dem Ende des 1. Weltkrieges 1918 und der Rückkehr der Männer übernahmen die Mütter wieder die Arbeiten im Haushalt. Schule konnte wieder in geregelten Bahnen verlaufen.
Die Schule zwischen den Weltkriegen
Zu Beginn der 30-er Jahre wurde durch den Bau des Uferdamms entlang der Mosel das Fischerdorf St. Barbara zu einem großen Teil abgerissen. Die Bewohner dieser Häuser wurden nach Heiligkreuz in die Franz-Buß-Straße und Rotbachstraße umgesiedelt. Die Schülerzahlen schnellten in die Höhe, sodass man gezwungen war, die Volksschule Heiligkreuz zu erweitern. An der Westseite im rechten Winkel zur alten Schule baute man einen neuen Trakt, in dem sich heute Büro des Schulleiters, Lehrerzimmer und zwei Klassenräume befinden. Der ursprüngliche Eingang in der Rotbachstraße wurde zugemauert; der neue Zugang befand sich nun auf der Westseite des Gebäudes. Aus dieser Zeit stammt wohl auch die Pflanzung der Linden auf dem Schulhof.
Der Schulhof war mit einer Teerdecke versehen. Der Hof war in zwei Bereiche aufgeteilt: der vordere Teil zur Rotbachstraße war den Mädchen vorbehalten. In der Mitte befand sich ein Jägerzaun, der den hinteren Teil abtrennte, der für die Jungen reserviert war. Die Pausen verbrachte man auf dem Schulhof. Die große Pause war um 10 Uhr und dauerte etwa eine halbe Stunde. Um 12.00 Uhr gab es eine kürzere Pause für die älteren Schüler, die noch im Unterricht verblieben. Ein gemeinsames Frühstück in der Klasse gab es in der damaligen Zeit nicht. Die Kinder aßen das Pausenbutterbrot auf dem Schulhof, das man von zuhause mitbrachte. Etwa ab 1942 erhielten die Kinder in der Schule Cebion-Lutschtabletten zur Versorgung mit Vitamin C. Man spielte vielleicht Nachlaufen, Ballspiele waren wegen der Unfallgefahr grundsätzlich verboten. Die Kinder sollten nicht mit blutigen Knien nach Hause kommen, denn damals trugen die Jungen sommers wie winters kurze Hosen. Die ersten langen Hosen gab es zur Ersten Heiligen Kommunion. Diese Kleidungsstücke trug man nur sonntags oder bei der Fronleichnamsprozession.
Nach der Fertigstellung des Anbaues 1936 wurden die Toiletten innerhalb der Schule untergebracht. Zur Toilette ging man gemeinhin nur in der Pause, allerdings erlaubten die Lehrkräfte auch in „Notfällen“ den „Klogang“.
Die Klassen wurden mit Kohleöfen beheizt. Das damit verbundene Tragen der Kohle war eine körperlich anstrengende Arbeit für den Hausmeister. Dies erledigte Paul Beck, der in einem Haus gegenüber der Schule wohnte. Nach seinem Tod übernahm Frau Beck die Tätigkeit des „Hausmeisters“ und musste das schwere Brenngut schleppen. Sie ließ sich hierbei von den älteren Schülern helfen. Zur Belohnung durften die Jungen dann auf dem Schulhof Fußball spielen.
Der Unterricht in der Volksschule umfasste die Jahrgänge vom 1. bis zum 8. Schuljahr. Während der ersten drei Schuljahre dauerte der Unterricht von 8.00 bis 12.00 Uhr, in den höheren Klassen schloss er um 13.00 Uhr. Die Ferienzeiten unterschieden sich nicht grundsätzlich von den heutigen. Es gab Ferien im Sommer und zur Herbstzeit, an Weihnachten und Ostern. Allerdings wurden die Herbstferien durch die Termine der Kartoffelernte bestimmt. Die Kinder mussten ihren Eltern, die oft Landwirte waren, bei der Ernte oder landwirtschaftlichen Arbeit helfen.
Die Schüler trugen einen Ledertornister oder Ranzen, den man auf den Rücken schnallte. Er wurde bei Bedarf von Geschwisterkind zu Geschwisterkind „vererbt“. In den oberen Klassen kamen die Kinder auch mit einer Aktentasche.
Die Schulwandtafel war das wichtigste schulische Medium. Mit Kreide schrieb der Lehrer an. Die Schüler mussten nun diesen Tafelanschrieb abschreiben, sei es auf der Schiefertafel oder in höheren Klassen ins Heft. Der Tafeltext blieb normalerweise eine Weile an der Tafel stehen, einmal um Kreide zu sparen, zum anderen zur Übung und Vertiefung des Stoffes. Auf der zerbrechlichen Schiefertafel wurde mit dem Griffel geschrieben. Ein Schwämmchen und Läppchen gehörten dazu, um das Geschriebene oder Fehler zu löschen. Eine solche Tafel war kostbar und die Kinder achteten darauf, dass sie nicht zu Bruch ging. Im ersten Schuljahr wurde ausschließlich mit dem Griffel auf der Schiefertafel geschrieben. Im zweiten Jahr begann man mit dem „Tintenklecksen” und schrieb in das „Schönschreibheft”. Die Tafel wurde aber weiterhin benutzt, nicht zuletzt um die Ausgaben für Hefte und Tinte zu sparen. In höheren Klassen diente das Heft für die Hausaufgaben.
Die Wände waren mit Landkarten oder pädagogischen Schautafeln geschmückt. Ursprünglich hing das Kreuz über der Tafel, da die Schule ja eine katholische Volksschule war. 1933 wurde aufgrund des nationalsozialistischen Machtwechsels dieses religiöse „Objekt“ an der Klassentür aufgehängt. Nun hing das Bild des „Führers“ über der Tafel. Blumenschmuck gab es nicht und Tafeldienst versah derjenige, der in der Nähe der Tafel saß.
Im Klassenschrank befanden sich die Unterrichtsmaterialien des Lehrers, die je nach Bedarf genutzt wurden. Dort lagen auch die Zeugnishefte, die beim Schuljahrsende und Halbjahr handschriftlich vom Lehrer ausgefüllt wurden. Die Violine wurde ebenfalls in diesem Schrank aufbewahrt, denn jeder Lehrer musste dieses Instrument mehr oder minder virtuos beherrschen.
Die damals üblichen Schulbänke mit fester Sitzordnung bestanden aus einer schrägen Schreibplatte mit Griffel- bzw. Federrille und zwei Tintenfasshaltern. Unter der Tischplatte befand sich eine Ablage. Die Sitzbank war fest mit dem Tisch verbunden. Die Tintenfässer musste der Hausmeister jeden Tag prüfen und nachfüllen. Man schrieb mit Stahlfedern, deren Spitze man in dieses Tintenfass tauchte.
Eingeführte Schulbücher waren in der Regel Lesebuch, Rechenbuch, Schulbibel und Katechismus, später auch ein Atlas. An jedem Montag mussten die Bücher vorgezeigt werden, da kontrolliert wurde, ob sie pfleglich behandelt wurden. Die meisten Bücher konnten so innerhalb der Familie vom ersten bis zum letzten Kind weitergereicht werden, weil die Auflagen über lange Zeit unverändert nachgedruckt wurden.
Deutschunterricht bestand aus Schreiben, Lesen und Auswendiglernen. Es wurde sehr viel geschrieben und abgeschrieben, wobei die „Schönschrift“ wichtig war. Die Texte des Lesebuchs gaben hierzu genügend Material. Klassenarbeiten oder Tests im heutigen Sinne gab es nicht, aber Diktate und Aufsätze sowie Rechenübungen, die von der Lehrkraft bewertet wurden.
Um den Kinder das Schreibenlernen zu erleichtern, ersetzte in den 1920-er Jahren die Sütterlin-Schrift die bisher übliche deutsche Kurrent-Schrift. Ab 1935 war sie Teil des offiziellen Lehrplans. Die Handhaltung war einfacher und man konnte nun die Kugelspitzfeder verwenden, die sich in jedem Füllfederhalter befindet. Der damalige Schulleiter Thees in Heiligkreuz benutzte weiterhin die bisherige deutsche Schreibschrift. Er ließ sich von besonders schön schreibenden Kinder Buchstabentafeln herstellen, die dann den anderen Schülern als Vorbild für den Unterricht dienten. 1941 war die Zeit der „Sütterlin“ wieder vorbei und wurde aus den Lehrplänen entfernt. Der Nachteil der Kurrentschrift sowie der Sütterlin-Schrift war die missverständliche Schreibweise des Buchstabens „e“, sowie die verschiedenen Formen des Buchstabens „s“. Die lateinische Schrift wurde nun Normschrift und blieb Schreibstandard bis in die 90er Jahre. Sie wird auch noch heute neben der „Vereinfachten Ausgangsschrift“ in der Grundschule benutzt.
Katholischer Religionsunterricht wurde vom Pfarrer oder Kaplan der Kirchengemeinde und dem Klassenlehrer erteilt. Schule und Kirche waren eng miteinander verbunden. Der Religionsunterricht war aufgeteilt in Biblische Geschichte, meist unterrichtet vom Klassenlehrer, und in Katechismus, Aufgabengebiet des Theologen. Als 1923 Heiligkreuz Pfarrei wurde, war der Pastor von Heiligkreuz für den Religionsunterricht zuständig. Gottesdienst fand einmal in der Woche vor dem Unterricht um halb acht statt. Wer sich in der Kirche nicht „schickte”, konnte anschließend durch die Lehrer „etwas erleben“, wurde durch Schläge auf die Hände oder Schreibarbeiten bestraft.
Manche Schüler waren Messdiener, die bereits vor dem Schulunterricht um halb 8 Uhr ihren Dienst in der Kirche taten. Das bedeutete sehr frühes Aufstehen, die zudem noch mit frühen Arbeiten z.B. im Stall des elterlichen Betriebs verbunden waren.
Es gab nur wenige evangelische Kinder in Heiligkreuz. Für diese gab es keinen gesonderten Unterricht. Entweder lag der Religionsunterricht am Anfang oder Ende des Morgens, sodass die protestantischen Kinder später kamen oder früher entlassen wurden. Wo dies nicht möglich war, spielten die evangelischen Schüler (sehr zum Neid der katholischen) während dieser Freistunde auf dem Schulhof.
Nach dem 2. Weltkrieg gab es in Stadtmitte die evangelische Dewora-Schule, die die protestantische Kinder aus Heiligkreuz besuchten, selbst wenn sie nahe an der katholischen Schule in der Rotbachstraße wohnten.
Sport wurde auf dem Sportplatz neben der Schule betrieben. Mit Lehrer Dorfey spielten die Jungen häufig Fußball.
Es kam vor, dass die Eltern bei Unterrichtsschluss bereits am Schultor auf das Klingeln der Schulglocke warteten, um die Kinder zur Arbeit abzuholen. Mit dem Wägelchen zogen sie dann über die Felder, um Löwenzahn für die Kaninchen zu stechen, in der Hand die „Schmier“ als Mittagessen. Hausaufgaben wurden später gemacht. Überhaupt war Kinderarbeit innerhalb des Familienverbandes selbstverständlich. So erhielten die Väter, die in den Fabriken oder handwerklichen Betrieben arbeiteten, ihr Essen im Henkelmann, gebracht von den Schulkindern nach Schulende. In Stall und Feld war die Mitarbeit der Kinder unverzichtbar, aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar.
Ab dem 6. Schuljahr wurden die Jungen von den Mädchen getrennt. Es war nicht mehr schicklich, Mädchen und Jungen in einer Klasse zusammen zu unterrichten. Die Klassenstärke betrug auch in späteren Jahren im Durchschnitt 30 bis 40 Schüler. Selbst im ersten Schuljahr wurden, wenn nötig, bis zu 40 Kinder unterrichtet. Ob Schule „Spaß“ machte, hing oft an der Tagesform des Lehrers. Was ehemalige Schüler als besonders belastend empfanden, waren der absolute Gehorsam und die Disziplin, die von ihnen gefordert wurden. Der Lehrer bzw. die Lehrerin hatte immer Recht und setzte dieses letztlich immer durch. Das Sprechen während des Unterrichts war verboten, außer man wurde aufgerufen.
Körperliche Strafen waren üblich. Es wurde mit dem Stock auf das Gesäß oder auf die Finger geschlagen. Manche Lehrer klemmten den Kopf des zu bestrafenden Schülers zwischen die Knie und hieben dann mit dem Stock auf den Hintern ein. Wenn man solche Strafe befürchtete, versuchte man sich zu schützen. Aus alten Stiefeln wurden die Schäfte zerschnitten und als Unterlage unter den Hosenboden geschoben. Berichtet ist auch der Fall, dass ein Schüler, eingeklemmt zwischen den Knien eines Lehrers, diesem die Beine wegzog, sodass dieser zur großen Erheiterung der Klasse zu Boden stürzte. Der Schüler hatte für den Rest seiner Schulzeit Ruhe vor diesem Lehrer, wenn auch zu Hause die Aktion ebenfalls mit Prügel durch den Vater quittiert wurde. Eltern beschwerten sich in der Regel wegen dieser schulischen Strafen nicht. Im Gegenteil, wenn der Vater davon erfuhr, setzte er bisweilen zuhause die körperliche Bestrafung fort. Natürlich gab es auch Strafarbeiten oder Nachsitzen.
Der Schulgarten befand sich hinter der Schule, dort wo heute der „Neubau“ steht. Ab der 6. Klasse fand dort der Unterricht in praktischem Gartenbau statt. Lehrer Dorfey war ein Fachmann auf diesem Gebiet. Wenn während der Ferien die Ernte reif war, freute sich hierüber der Hausmeister, Herr Paul Jakobs.
Das Schuljahr begann und endete zum Ostertermin. Es gab Zeugnisse zu Ostern und im Herbst. Das Zeugnisheft wurde handschriftlich vom Lehrer geführt und musste den Eltern zur Unterschrift vorgelegt werden. Es wurde in der Schule bis zur Entlassung aufbewahrt. Klassenwiederholer waren selten.
Zur „höheren Schule” gingen nur wenige Kinder. Dies hing weniger mit der Intelligenz der Kinder als vielmehr mit den ärmlichen Lebensbedingungen zusammen.
Der Besuch des Gymnasiums war mit Schulgeld verbunden, das nicht jede Familie aufbringen konnte, zumal nicht, wenn die Kinderzahl groß war. Weiterführende Schulen besuchten daher vorwiegend Kinder von Selbständigen, Geschäftsleuten und Beamten. Die meisten Schüler und Schülerinnen blieben bis zum Ende der achten Klasse in der Volksschule und suchten sich anschließend eine Lehrstelle oder arbeiteten im elterlichen bäuerlichen oder handwerklichen Betrieb mit.
Aus dem Schulleben vor und während des 2. Weltkriegs
Nun möchte ich einige Erlebnisse, Geschichten und Anekdoten aus den Zwanziger- und Dreißigerjahren wiedergeben, die mir von ehemaligen Schülerinnen und Schülern mitgeteilt wurden. Insgesamt sind die Erinnerungen an die Schulzeit meist positiv, denn das häusliche Leben war hart und die Schüler mussten, wie bereits mehrmals erwähnt, im elterlichen Betrieb mitarbeiten. Für manche Messdiener war der morgendliche Einsatz oft sehr intensiv. So berichtet ein ehemaliger Schüler, dass er an manchen Tagen morgens um 6 Uhr die Messe im Kloster der „Weißen Schwestern” ministrierte. Anschließend ging er in die Pfarrkirche, wo um 7 Uhr die Frühmesse zu dienen war. Wenn um halb acht noch Schulmesse stattfand, konnte es passieren, dass er zum dritten Mal zum Einsatz kam. Irgendwann zwischendurch musste auch noch das Frühstück auf die Arbeitsstelle des Vaters bei der Caspary-Brauerei gebracht werden.
Bis 1932 leitete Oberlehrer Thees die Schule und führte ein straffes Regiment. Prügelstrafen waren üblich. Es gab wohl einen Stundenplan, der aber nicht unbedingt eingehalten wurde. Wenn der Lehrer es für richtig hielt, wurde wochenlang nur Deutsch unterrichtet und kein anderes Fach. Eine seiner Spezialitäten war es, aus den Sätzen eines Textes einen einzigen Satz in „Bandwurmlänge“ zu formulieren, um damit die Schüler im Diktat zu „quälen“. Der Schulleiter achtete auf sparsamen Gebrauch aller Dinge, wobei er sich selbst nicht ausnahm. Er trug ein Paar Schuhe, das angeblich aus dem 1. Weltkrieg stammte. Die Schuhe waren zwar noch tragbar, aber selbst den nicht vom Reichtum gesegneten Heiligkreuzer Kindern fiel das abgewetzte Schuhwerk auf. Seine Anzugsweste war oft geflickt, sodass spöttisch behauptet wurde, das Kleidungsstück würde eigentlich nur durch die Flickfäden zusammen gehalten. Um Geld zu sparen, produzierte der Lehrer die Tinte selbst. Hierzu sammelte er mit den Kindern Gallerbsen von Eichbäumen. Hieraus stellte er dann die Schreibflüssigkeit her. Auch seine Lehrer litten unter der Sparsamkeit ihres Rektors. Er führte Buch über den Verbrauch der Kreide. Wenn ein Lehrer seiner Meinung nach zu viel verbraucht hatte, musste er sich „zur Strafe” mit Kreidestummeln begnügen. Dies führte dazu, dass die „verschwenderischen” Lehrer dazu übergingen, eigene Kreide zu kaufen.
Nach dem Ausscheiden von Lehrer Thees wurde Herr Thomas Schulleiter. Von ihm heißt es, er sei ein fähiger Pädagoge gewesen, der keinen Stock brauchte. Es ist also nicht so, als ob in der damaligen Zeit immer der Stock regiert hätte.
Lehrer Sausen, der die älteren Schüler unterrichtete, machte mit den Kinder zwei- bis dreimal im Jahr Unterrichtsgänge über die Felder, bei denen er alle Pflanzen und Pflänzchen beim Namen nennen ließ, praktischer Naturkundeunterricht.
In einem anderen Fall wurden Jungen aus der Klasse von Lehrer Dorfey zu Fräulein Weis zitiert, weil sie in der Kirche geschwätzt hatten. Der Lehrer drohte: „Wenn ihr euch von dem Fräulein schlagen lasst, kriegt ihr es erst richtig von mir.” So versuchten sich die Jungen der Strafe durch Fräulein Weis zu entziehen. Die Lehrerin schlug nach ihnen, traf sie aber nicht, weil die Kinder geschickt auswichen. Die Mädchen, die das Schauspiel beobachteten, amüsierten sich riesig. Die Jungen wurden ohne Prügel entlassen. Herr Dorfey war zufrieden und damit war die Sache erledigt.
Ab Sommer 1941 unterrichtete Lehrer Bohn an der Schule in Heiligkreuz. Er wurde von der Schule St. Barbara nach Heiligkreuz gegen seinen Willen versetzt. Gleich am ersten Tag tat er dies den Schülern kund und machte den Heiligkreuzern klar, wie rückständig sie doch in ihrem Wissen wären. Die ersten Wochen waren für die Kinder schlimm. Aber im Laufe der Zeit gewöhnten sich Lehrer und Schüler aneinander. Die Schüler waren ihm später sehr dankbar für seinen anspruchsvollen Unterricht. Er war ein begeisterter Schachspieler, der das königliche Spiel in die Klassen brachte. Bohn nahm auch mit seinen Schülern an Turnieren teil. Er hielt sich grundsätzlich nicht an den Stundenplan, nur wenn Singen bei Lehrer Nilles oder Religion bei Lehrer Sausen anstand. Allerdings galt er als launisch. War seine Laune schlecht, konnte es passieren, dass die Klasse von 8.00 bis 13.00 Uhr rechnen musste. Wenn er aber einen guten Tag hatte, schickte er die Kinder nach Hause, ließ die Schachbretter holen und alle spielten den ganzen Vormittag Schach. Er arrangierte 1942 eine Simultanpartie gegen den damaligen Deutschen Schachmeister.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Unterricht teilweise den veränderten Gegebenheiten angepasst: Statt Naturkundeunterricht war es für die Mädchen Pflicht, Heilpflanzen zu sammeln, die für die Herstellung von Medikamenten benötigt wurde. Die gesammelten Pflanzen wurden auf dem Dachboden der Schule getrocknet und sortiert. Die Jungen mussten Schrott sammeln, der eingeschmolzen und in der Kriegsindustrie wieder verarbeitet wurde. Die Blätter der Maulbeerbäume (sie stehen heute noch vor der Gymnastikhalle) wurden für die Seidenraupenzucht genutzt. Seide wurde für die Herstellung von Fallschirmen benötigt. Zum Heizen der Klassenräume brachten die Kinder Holz von zuhause mit.
In diese Zeit fielen auch zwei Schulausflüge. Einmal ging es nach Serrig zur Serriger Klause und ein zweites Mal zur Schuhfabrik Romika in Gusterath. Von Heiligkreuz aus marschierten die Schüler bis zu den Anlagen in Gusterath-Tal. Als die Klasse am Pluwiger Hammer ankam, entdeckte der Lehrer ein Schild, auf dem die Gefällstrecke in Prozenten angegeben war. Der Spaß war vorbei. Die Schüler mussten erst einmal das Gefälle berechnen. Die Romika hatte ein kleines Schwimmbecken. Bevor alle ihr Butterbrot essen durften, musste erst ein Schwimmwettbewerb absolviert werden. Dann ging es wieder den gleichen Weg zu Fuß zurück nach Heiligkreuz.
Der 2. Weltkrieg führte zu Umbaumaßnahmen in den schulischen Gebäuden. Die Keller wurden zu Luftschutzkellern zum Schutz für die heimische Bevölkerung ausgebaut. Die Bombenangriffe zerstörten Teile von Heiligkreuz, so auch die historische Kapelle, die sich unmittelbar neben der Schule befindet, das Schulgebäude überstand aber weitgehend die Bombenangriffe.
Schule in den Nachkriegsjahren
Die Eltern waren nach dem Krieg wenig am Schulunterricht ihrer Kinder interessiert. Viele Väter waren gefallen oder in Gefangenschaft. So mussten die Kinder beim Wiederaufbau der Häuser mithelfen, in der Landwirtschaft arbeiten, auf dem Schwarzmarkt handeln und so zum Überleben beitragen.
Im Schulgebäude hätte der Unterricht wieder beginnen können. Lehrer Sausen versuchte den Schulbetrieb wieder anlaufen zu lassen. Er wollte natürlich nicht vor leeren Klassen unterrichten. Wenn er Schüler in der Nähe des Schulgeländes sah, ging er ihnen nach, um sie zur Schule zu bringen. Sie wichen dem Schulmeister aus und machten sich den Spaß, indem sie wegliefen.
Nach den Anfangsschwierigkeiten konnte nach einiger Zeit wieder Schule stattfinden. Der Unterricht fand an sechs Tagen in der Zeit bis 13 Uhr statt, mit Ausnahme des nachmittäglichen Sportunterricht. Angenehme Unterbrechung des Unterrichtsmorgens war in den Nachkriegsjahren die sogenannte Schulspeisung. Die städtische Feuerwehr brachte in großen Behältern Mittagessen zur Schule. Gegen zwölf Uhr war die Ausgabe der Mahlzeiten, z.B. Milchreis mit Rosinen. Samstags gab es zusätzlich Schokolade.
Nach seiner Rückkehr aus Kriegsgefangenschaft war Herr Thomas von 1948 bis 1953 wieder Rektor der Volksschule. Herr Metz wurde sein Nachfolger bis 1955. Fräulein Weis übernahm anschließend die Schulleitung. Damals unterrichteten an der Schule Fräulein Heuser, Fräulein Weis, Herr Steinmetz, Herr Minninger, Herr Kaiser, Herr Molz und Fräulein Obertreis. Auch die spätere Schulleiterin Marga Laux war seit 1947 in Heiligkreuz tätig. Die Disziplin in großen Klassen herzustellen bzw. zu halten war für die Lehrkräfte nicht einfach, denn durch die Kriegserfahrungen geprägt, waren die Schüler nicht ohne weiteres bereit, die Autorität der Lehrer zu akzeptieren. So kam es zu „Verträgen”. Wenn die Klasse bei einem bestimmten Lehrer eine halbe Stunde ruhig war, gingen sie anschließend auf den Fußballplatz neben der Schule.
Lehrer Steinmetz benötigte Stöcke als Zeige- und als Prügelstöcke. Hierzu schickte er Kinder an den Mattheiser Weiher, um dort Vorräte an Stöcken anzulegen. Die Kinder wussten sich durchaus zu helfen, um die Schläge zu mildern. Sie schnitten die Stöcke so an, dass sie beim ersten Schlag brachen.
Den Hauswirtschaftsunterricht führte Fräulein Görgen in der Schule St. Barbara durch. Dafür mussten die Mädchen zu dieser Schule wandern. Ende der 50er Jahre wurde dann im Neubau der Heiligkreuzer Schule eine Küche eingerichtet und der Gang in die Nachbarschule war nicht mehr nötig. Der Turnunterricht fand ebenfalls nachmittags in St. Barbara statt. Ein Sportlehrer war Herr Peter Molz. Lehrer Minninger führte u.a. den Schwimmunterricht durch. Er zog mit den Klassen im Gleichschritt singend den Berg zum Stadtbad hinunter.
Das Fach Musik unterrichtete Fräulein Obertreis. Es wurden vor allem Lieder gesungen und das Notenlesen geübt. Dieser Unterricht fand in den oberen Klassen - sehr zur Freude der Schüler und Schülerinnen - wieder ohne Trennung der Geschlechter statt.
Typische Spiele der damaligen Zeit auf dem Schulhof waren „Mürbelspiele“ (Murmeln), Bockreiter-an-der Wand und Bockreiter-immer-weiter. Noch heute sind die Vertiefungen an manchen Stellen des Schulhofs zu entdecken, in die die „Mürbel“ geschoben wurden. Beim Bockreiterspiel grätschte man über die Mitschüler, die vornüber gebeugt auf dem Hof standen. Bei der Variante „an der Wand“ bildeten mehrere Jungen eine Brücke, indem sie ihren Kopf zwischen die Beine des Vordermann steckten. Der kräftigste stand an der Wand und sorgte durch seine Körperkraft, dass die „Brücke“ möglichst nicht zusammenbrach. Die Kameraden versuchten nämlich mit einem Sprung auf das von den Jungen gebildete „Gebäude“ zum Einsturz zu bringen.
An gemeinsame Schulfeiern erinnern sich ehemalige Schüler gerne. Besonders eindrucksvoll müssen die Adventsfeiern gewesen sein, die im Treppenhaus vor dem Rektorzimmer stattfanden. Dort hing der Adventskranz, unter dem die Schüler musizierten und Krippenspiele aufführten. 1955 standen hier die aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrten Heiligkreuzer und wurden von den Schulkindern begrüßt, ein für die Kinder unvergessliches Ereignis.
Auch Karneval wurde in der Schule gefeiert. An Rosenmontag und Fastnacht war nicht unterrichtsfrei, man feierte in den Klassen und im Haus. Hausmeister Müller mit seiner Familie sorgten für Stimmung in der Schule. Dann klangen Akkordeon, Klarinette und Gitarre in Treppenhaus und auf dem Hof.
Als ein besonderes Ereignis wurde eine Schulfahrt nach Luxemburg erlebt. Lehrer Steinmetz organisierte diese Auslandsfahrt mit der Eisenbahn. Dort wurden das Schloss, die Kasematten und die Kathedrale besichtigt. Für die Kinder der damaligen Zeit war dies eine sensationelle Reise. Solche Fahrten bedeuteten auch einen Wiederbeginn positiver Beziehungen zum Nachbarland Luxemburg. Unvergessen bleibt auch der Schulausflug aller Trierer Schulen nach Köln. Der Zug fuhr zu den einzelnen Bahnhöfen der Stadt und alle Schüler wurden „eingesammelt“. Er brachte alle Trierer in die Stadt am Rhein, wo man Dom und Zoo besuchte.
Im Schulgebäude fand in den 50er Jahren die Mütterberatung des Gesundheitsamtes statt. Babys und Kleinkinder wurden von einer Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes untersucht. Die Mütter erhielten Hinweise zur Gesundheitserziehung und besprachen Fragen der Ernährung. Kalktabletten wurden ausgegeben, denn Mangelerkrankungen waren verbreitet. Hier wurden auch die medizinischen Untersuchungen zur Einschulung oder Berufseignung durchgeführt.
In den 50-er Jahren gingen im Vergleich zu früher mehr Kinder zur „höheren Schule”. Es waren die leistungsstarken Schüler, die sich zudem einer schriftlichen Prüfung an der weiterführenden Schule unterziehen mussten. Bis 1959 entrichteten die Eltern ein Schulgeld in Höhe von 20 Mark monatlich. Das war auch ein Grund, weshalb deutlich weniger Kinder die Gymnasien oder Realschulen besuchten als heute.
Entwicklungen in den 50-er Jahren
Die rege Bautätigkeit in den 50-er Jahren in Neu-Heiligkreuz führte zu einer weiteren Zunahme der Schülerzahlen. Der hintere Teil der Schule, als „Neubau“ bezeichnet, wurde 1957 eingeweiht. Der beiden älteren Gebäudeteile wurden renoviert. Hierbei wurden alle Möbel ausgetauscht. Es gab neue Tafeln und moderne Kartenständer. Auch das Kreuz fand wieder seinen Platz in der Klasse. Die Öfen wurden in den Klassen abgeschafft und eine moderne Koksheizung wurde installiert. Bei Anlieferung des Koks türmte sich der Brennstoff vor den Kellerlöchern. Kinder halfen nachmittags beim Einschaufeln und wurden mit zwei Groschen pro Tonne bezahlt. Die verbrannten Schlacken wurden per Aufzug aus dem Keller hochgefahren. Die Arbeit mit dieser Heizung war sehr arbeitsintensiv für die Hausmeister Jakobs, Müller und Press.
Die Gestaltung des „Neubaus“ ist gestalterisch vom Bauhaus-Stil mit der freitragenden spiraligen Treppe und den großen Fenstern geprägt. An der Südwand befinden sich 6 großformatige Wandbilder zum Thema „Die Schöpfung“. Leider sind kürzlich beim Einbau von Sicherheitstüren zwei dieser Bilder zerstört worden.
Auf der 1. Etage befand sich ein kleiner Balkon, von dem offensichtlich der Schulleiter Ansprachen an die Schülerschaft halten konnte. In den Klassen des Neubaus befanden sich Lautsprecher für die Informationsweitergabe, die aber schon lange nicht mehr genutzt werden.
Auf dem Schulhof wurde ein Toilettengebäude für die Mädchen und Jungen errichtet, denn die Räumlichkeiten im Westflügel waren nun völlig unzureichend. Ein Klassenraum wurde als Schulküche für den Hauswirtschaftsunterricht der Mädchen eingerichtet.
Zur Schulgeschichte von 1960 bis zur Gegenwart
Das anhaltende Bevölkerungswachstum in Heiligkreuz führte zu dem bereits erwähnten Neubau mit sieben Klassen und einer Küche. Am Wolfsberg entstanden neue Wohngebiete, in denen Familien mit Kindern lebten, die ebenfalls die Schule besuchen mussten. Entsprechend reichte das Schulgebäude in der Rotbachstraße nicht mehr aus. Das führte 1962 zur Errichtung von vier Pavillonklassen hinter der Schule. Anfangs gediehen hier noch Erdbeeren, sehr zur Freude der Kinder und Lehrerinnen. Erst später wurde die Fläche als Schulhof asphaltiert. In den Pavillons war es im Sommer sehr heiß und im Winter zu kalt. Alle litten unter den schlecht isolierten Raumverhältnissen.
1966 wurden die Volksschulen aufgelöst, es gab nun Grund- und Hauptschulen. In der Folge existierten zwei Schulen am Standort Rotbachstraße: In den Steingebäuden befand sich die Hauptschule Südwest. Schulleiter war Herr Bähr, sein Konrektor Herr Jakobs. Hinter dem sogenannten Neubau wurden die Grundschulkinder in vier Pavillons unterrichtet. Schulleiterin war Frau Marga Laux.
Schulleiter Bähr verließ die Schule an der Rotbachstraße und war der erste Rektor der Cusanus-Hauptschule am Wolfsberg. Herr Jakobs blieb an der Hauptschule in der Rotbachstraße. Als die Einwohnerzahlen im Gebiet von Neu-Heiligkreuz wieder anstiegen, wurden neue Klassenräume notwendig. An der Berliner Allee wurden acht Klassen in provisorischen Pavillons eingerichtet, deren Schulleiter Herr Göbel war.
Die evangelische Kirche beabsichtigte auf ihrem Gelände an der Trevererstraße eine Konfessionsschule zu errichten. Diese baute man auch und Frau Máthé unterrichtete mit ihrer Kollegin Frau Stagnet im Jahr 1969 das 1. und 2. Schuljahr. Ab dem 3. Schuljahr gingen die Kinder zur evangelischen Zuckerbergschule, der späteren Pestalozzi-Hauptschule. Als man aber die Konfessionsschulen auflöste, wurde aus der Grundschule an der Treverstraße die Grundschule Neu-Heiligkreuz. Die Kinder aus dem Provisorium an der Berliner Allee zogen in dieses moderne Gebäude um. Schulleiter war zuerst Herr Göbel und ab 1976 Herr Werner Stüber.
Für den Sportunterricht wurde die Bezirkssportanlage Heiligkreuz mit Halle und Sportplätzen genutzt, die sich fußläufig zur Schule befindet, übrigens bis heute.
Die Jugendverkehrsschule wurde 1961 gegründet und befand sich auf dem Gelände neben der Schule, wo sich heute der Edeka-Markt befindet. Das war für die Heiligkreuzer Kinder angenehm, da sie durch ein Törchen sofort Zugang zu diesem Ausbildungsgelände hatte. 1989 war Schluss mit der Jugendverkehrsschule an diesem Standort. Hier wurden übrigens auch die französischen Kinder der Trierer Garnison und amerikanische Schüler auf die deutschen Verkehrsvorschriften vorbereitet.
In den späten 70-er Jahren sank die Schülerzahl erneut und man brauchte nur noch eine Grundschule. Die Schule „Neu-Heiligkreuz“ wurde aufgelöst. In die Räumlichkeiten zog die Förderschule „Trevererschule“. Die Grundschulkinder zogen mit Rektor Stüber 1977 in die Räume der alten Volksschule der Rotbachstraße. Herr Stüber leitete die neugebildete Grundschule bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1992. Als die Schülerzahlen wieder sanken, stellte man die damals leer stehende Räume dem „Kinderhort Heiligkreuz“ zur Verfügung.
Die Erschließung neuer Baugebiete auf dem ehemaligen Caspary-Gelände, an der Burgmauer und im Bereich der früheren Landeslehr- und Versuchsanstalt führten zu einer erneuten Erhöhung der Schülerzahlen. Je nach Jahrgang stieg oder steigt die Schülerzahl auf über 200 Kinder.
Im Mai 2007 wurde durch die Stadt in Kooperation mit dem Ortsbeirat ein großzügiger Spielplatz auf dem Gelände der Schule eingerichtet, der nicht nur durch die Kinder der Grundschule genutzt wird, sondern auch nachmittags von den Kindern des Stadtteils. In den Pausen spielen dort die Schulkinder und nachmittags ist der Sandkasten mit den umgebenden Bänken zum Treffpunkt vieler Eltern mit ihren Kindern geworden.
In und an der Schule hat sich in den letzten Jahrzehnten vieles verändert. Nicht nur der Außenanstrich mit Kletterwand und die Wandgestaltung im Inneren haben die Schule aufgewertet. In den Fluren und Klassen sieht es wohnlich aus und nichts hat mehr mit der früheren Ausstattung zu tun.
Die Schule setzt und setzte immer wieder besondere Schwerpunkte im pädagogischen Bereich. So war sie in den 60-er Jahren renommierte Ausbildungsschule für Mathematik mit dem damals neuen Ansatz der Mengenlehre unter Federführung von Professor Laux. Heute gilt es die Kooperation mit den drei Kindertagesstätten im TANDEM-Projekt zu erwähnen, die sportliche Zusammenarbeit mit dem Sportverein VfL Heiligkreuz, der MIC und der Kirchengemeinde. Die Schulsportmannschaften beteiligen sich nicht nur an städtischen Wettkämpfen, sondern auch an solchen in Luxemburg und Metz. Die französische Sprache ist Rahmen des „Integrierten Fremdsprachenunterricht“ präsent.
Die Schülerzahlen bewegen sich seit Jahren immer im Bereich von 200 Kinder, sodass auch künftig die Schule ein Mittelpunkt des Lebens in Heiligkreuz sein wird.








